Rabacal- 25 Quellen – Levadawanderung (Ja, ich schaffe das mit Kleinkind!)

Schon beim buchen dieser Tour wurden wir erstaunt angeschaut und gefragt, ob unser Sohn mitkommt. Natürlich kommt er mit, wo soll er sonst bleiben! „Wie wollen sie ihn denn mitnehmen?“ „In der Manduca.“ Fragende Blicke bis ich auf die Trage zeige, die um meine Hüfte geschnallt ist. „Ah ok, das geht vielleicht. Mit Wagen wäre das nicht gegangen.“

Zwei Tage später klingelt um 6.45 Uhr der Wecker. Ich springe unter die Dusche und freue mich riesig auf den Tag, denn die Wanderung steht an. 8.45 Uhr werden wir oben an der Straße schon erwartet. Ein Portugiesischer Busfahrer und ein Deutscher Auswanderer, der die Tour führt, sagen zwar freundlich „Óla“, nehmen sonst aber kaum Notiz von uns. Da wir bei ihnen stehen bleiben, werden wir dann aber doch gefragt „Sie wollen aber nicht nach Rabacal oder?“ „Doch, genau da wollen wir hin.“ Sofort fängt der Busfahrer etwas aufgeregt an auf portugiesisch zu reden, was wir nicht verstehen und der Guide fragt uns „Und das Kind?“ „Kommt mit!“ „Ist er nicht noch zu klein? Er kann sicher noch nicht lange laufen?“ „Das muss er auch nicht, er kommt in die Manduca und ich trage ihn.“ Wieder aufgeregtes Portugiesisch von dem Busfahrer. „Ok, wenn Sie sich das zutrauen, aber bitte passen Sie gut auf! Das müssen Sie mir versprechen!“ „Versprochen!“ Auch als wir dann in den Bus stiegen, schauten einige Deutsche Touristen etwas ungläubig, die meisten lächelten uns aber freundlich an.

Durch einen kleinen Umweg, wegen einer, durch abgerutschte Felsenteile, gesperrten Straße, kamen wir nach etwa einer guten Stunde Fahrt auf der Hochebene  Paul da Serra an. Von dort aus starteten wir die Levadawanderung  ins feuchte Tal von Rabacal. Levadas sind die künstlich erschaffenen Wasserwege, die das Wasser auf der Insel vom niederschlagreichen Norden in die landwirtschaftlichen Gebiete im Süden transportieren.

Hier beim Start konnte man schon die wunderschöne Landschaft erahnen!

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Es ging erst eine ganze Weile bergab (logisch, wir wollten ja auch ins Tal), was ziemlich auf die Waden ging… aber wer das eine will, muss das andere mögen uns sportliche Waden sehen doch auch ganz nett aus. 😉 Alles war grün und saftig und unser Guide erklärte uns ein bisschen die Pflanzenwelt. Madeira ist klimatisch bedingt ein Paradies für Pflanzen. Hier kann so ziemlich alles wachsen. Das witzige ist, dass ziemlich viel gar nicht ursprünglich auf Madeira gewachsen ist, sondern importiert wurde, wie zum Beispiel Eukalyptusbäume und Isländisches Moos.

 

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Isländisches Moos in den Bäumen von Rabacal auf Madeira

Nach einiger Zeit musste man zwar noch auf die Steine, Löcher und Wurzeln am Boden aufpassen, aber es ging nicht mehr bergab. Und dann standen wir vor dem Risco Wasserfall! Wenn man etwas dichter ran geht (soweit es der Wanderweg erlaubt) merkt man die vielen winzig kleinen Wassertröpfchen auf der Haut, die dort „umherfliegen“. Es war so herrlich auf der Haut an diesem warmen Tag (fand auch unser Knirps) und zusammen mit der Sonne, die die Tröpfchen glitzern ließ, war es eine zauberhafte Stimmung!

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Risco Wasserfall

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wunderschöne Stimmung am Risco Wasserfall

Nach einer kurzen Trink- und Fotopause ging es dann weiter zu den 25 Quellen. Wir mussten ein Stück den Weg zurückwandern, den wir zum Wasserfall gegangen waren und dann eine „Treppe“ nehmen,die uns noch ein Stück tiefer ins Tal führte, wir überquerten eine Brücke,stiegen eine andere Treppe hinauf und dann wurde mir so langsam klar,warum sie mich immer wieder fragten,ob mein kleiner Junge mitkommt… Der Weg wurde schmaler und obwohl wir schon so tief ins Tal gegangen waren, war es noch immer recht hoch. Da ich aber festes Schuhwerk anhatte, ziemlich trittsicher bin und mein Kleiner ganz friedlich in der Manduca hing, man sich auch immer irgendwie festhalten konnte und mein Mann schützend dicht hinter uns ging, machte ich mir keine Sorgen und wanderte weiter – bis zu den 25 Quellen!

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Wanderweg zu den 25 Quellen

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An den 25 Quellen

Hier machten wir ein kurzes Picknick und sammelten, beim traumhaften Anblick, Kraft für den Rückweg. (Aber auch zwischendurch hatte ich natürlich immer die Möglichkeit meinen Zwerg mit mit Snacks und ausreichend Trinken zu versorgen!)

Dieser führte uns am Ende noch durch einen stockdunklen ca.800m langen Tunnel. Das fand unser Prinz besonders lustig, denn man konnte so schön „erschrecken“ spielen und witzige laute Geräusche machen. 😉 Wir waren alle mit Taschenlampen bewaffnet und einige von uns kamen trotzdem nicht um nasse Füße herum, durch die im Tunnel stehenden Pfützen. Spaß hatten wir dennoch und der Ausblick, der am Ende des Tunnel wartete, ließ die feuchten Füße schnell vergessen.

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Gang durch den ca. 800m langen stockdunklen Tunnel

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Häuschen am Ende des Tunnels

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Und eine tolle Aussicht – wenn man nicht sicher ist, wo der Ozean aufhört und der Himmel anfängt.

Ein kurzer Gang noch durch einen Teil des Waldes, wo es soooo gut nach Eukalyptus roch und dann wartete nach gut 4 Stunden Wanderung auch schon unser Bus samt Fahrer.

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Eukalyptus riecht sooooo gut!

Mit unseren Eindrücken setzten wir uns auf der Rückfahrt noch alle zusammen in eine Strandbar in Calheta und bekamen typisch madeirensisch Fladenbrot mit Knoblauch und einen Poncha (natürlich nur für die Erwachsenen).

Ja,ich habe es mit Kleinkind geschafft und fand es wunderschön! Auch unser Knirps hatte Spaß und war zu keiner Zeit in Gefahr! Ich wurde immer wieder gefragt,ob alles in Ordnung wäre und bekam auch Lob und Bestätigung von den Mitwanderern, die es toll fanden, dass wir das durchzogen und der Kleine so suuuper mitmachte! Man kann sich auch mit Kleinkind ruhig mal was trauen, man muss nur wissen wie! In diesem Sinne: gestaltet euer Familienleben bunt! 🙂

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Wandern mit Kleinkind – wunderschön!